Tuesday 22. May 2012

Inhalt:

Die Chirurgen- und Krankenpflegeschule in Feldsberg

Vorläufer unserer Pflegeakademie
Bereits die ersten Barmherzigen Brüder, die 1605 in Feldsberg eintreffen – gleichgültig ob Priester oder Laien –, sind in der Pflege geschult und geübt. Ihre Ausbildung erhalten die Brüder während der damals einjährigen Noviziatszeit – zusätzlich zu ihrer spirituellen Bildung, dem Unterricht in Ordensgeschichte sowie ihrem stetigen Einsatz im Pflegedienst.
Ein Jahrhundert lang scheinen die Ausbildung der Brüder und ihre in den Spitälern, aber auch während vieler Kriege gesammelten Erfahrungen in der Krankenpflege ausreichend zu sein und auch dem damaligen pflegerischen und medizinischen Wissensstand entsprochen zu haben.


Fachlich fundierte Ausbildung wird ermöglicht

Am 1. Dezember 1718 stellt jedoch P. Provinzial Mathias Mayer in einer Definitoriumssitzung in Feldsberg den Antrag, man möge sofort für die jungen Professen in Prag Räumlichkeiten schaffen, damit sie „alldort vereint, besonders einige Stunden des Tages von einem hiezu bestimmten Medicus in chirurgischer Hilfeleistung und Krankenpflege einen ordentlichen Unterricht erhalten, aber auch im Gesang, Choral und anderer Musik unterrichtet werden, damit die Provinz in vieler Richtung erfahrene Krankenwärter erhalte.“ Dieser Vorschlag wird angenommen, die Errichtung der Schule in Prag umgehend beschlossen und der Bau in Angriff genommen.

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Abschlusszeugnis der Feldsberger
Chirurgen- und Krankenpflegeschule
von Frater Caismirus Tornoschka
aus dem Jahr 1843

Hintergrund für diesen Antrag dürfte gewesen sein, dass die Provinz zu diesem Zeitpunkt bereits elf Konvente mit insgesamt 196 Brüdern zählt. Es ist also unmöglich, die Brüder in jedem einzelnen Konvent extra auszubilden. Vielmehr sollen sie in einem einzigen Konvent fundiert unterrichtet und bereits gut ausgebildet in die anderen Ordenswerke gesandt werden.

Beim Provinzkapitel von 1745 regt P. Provinzial Raphael Wagner an, im so genannten Nach-Noviziat auf chirurgische Studien und die Ausbildung größeren Wert zu legen. Im Jahr darauf wird beschlossen, in Feldsberg ein „Professoriat und Unterricht für Chirurgie und Krankenpflege“ zu errichten. Damit ist der Grundstein für die „Chirurgie- und Krankenpflegeschule“ sowie eine jahrzehntelange Zeit der wissenschaftlichen Studien in Feldsberg gelegt.


Blütezeit

Während dieser fast hundertjährigen Blütezeit Feldsbergs betätigen sich die Brüder neben der Medizin und Krankenpflege auch in den unterschiedlichsten Fachgebieten. Priester geben Gebets-, Belehrungs- und Andachtsbücher heraus, die Apotheker sind hoch geschätzte Botaniker. Andere Brüder wiederum kultivieren und züchten verschiedenste Pflanzen oder widmen sich der Chemie sowie der Experimentalphysik.

Im Jahr 1791 wird die Krankenpflegeschule in Prag aufgelöst und nach Feldsberg verlegt sowie die dort bereits bestehende Ausbildung in einen zweijährigen Kurs umgewandelt. Das hohe Niveau des Unterrichts und die medizinischen sowie pflegerischen Erfolge der Absolventen werden sogar bei der Regierung anerkannt und die Schule zu einem „Praeparandium der Candidaten für das medizinisch-chirurgische Studium auf der Universität“ ernannt. Im Laufe der Geschichte erwarben viele Feldsberger Absolventen das öffentliche Diplom für Medizin an der Universität.

Die Schule besitzt in ihrer Blütezeit eine reichhaltige Bibliothek und, wie es eine historische Schrift beschreibt, eine „schöne Collection anatomischer Injections-Präparate, eine grosse Collection von Blasen- und Gallensteinen, viele pathologische Präparate im trockenen Zustande, sowie conserviert im Spititus.“ Herbarien, Anschauungs-Lehrmittel aller Art sowie verschiedenste Behelfe zur Chemie und physikalische Apparate runden die Ausstattung ab.


Auflösung der Schule

Gegen das Jahr 1830 und wiederum Ende der Vierziger-Jahre gerät der Unterricht jedoch kurzfristig etwas ins Stocken. 1854 wird der Betrieb der Schule eingestellt. Einerseits meint man, bereits genügend gut ausgebildetes pflegerisches sowie ärztliches Personal zu haben, denn in der österreichisch-böhmischen Ordens-Provinz arbeiten damals „fünf Medicin-Doctoren, 26 diplomierte Wundärzte und noch genügend absolvierte Feldsberger Gehilfen“, wie es in einem historischen Dokument heißt. Andererseits könnten die Gründe für die Schließung der Schule auch in der damaligen finanziellen Situation des Feldsberger Hauses zu finden sein. Die genauen Gründe bleiben für uns aber im Dunkeln verborgen.

Wenige Jahre später wird die Schule als Ausbildungsstätte junger Brüder jedoch schon schmerzlich vermisst. Trotz vielfältiger Bemühungen – so gibt es etwa beim Provinzkapitel 1875 Anträge zu ihrer Wiedererrichtung – wird die Schule nicht wieder eröffnet. Noch 1894, anlässlich der Eröffnung des neu gebauten Krankenhauses in Feldsberg, wird gehofft, dass „dieses Mutterhaus allmählich die Stätte der Schulung werde, wo der Jugend Eifer eingeflößt, Wissen verschafft, schließlich Berufsliebe erhalten und gemehrt werden möge“.


Beeindruckende Leistungsbilanz


Zwischen 1773 und 1854 absolvieren insgesamt 240 Barmherzige Brüder ihre Ausbildung in Krankenpflege und Chirurgie in Feldsberg. Dank ihrer Kenntnisse tragen sie ganz wesentlich zur hohen Qualität der Ordenswerke in Pflege und medizinischer Behandlung bei. Der hervorragende Ruf vieler Spitäler und so manche pflegerische und medizinische Innovationen gehen auf sie zurück. Umso erstaunlicher erscheint uns heute das abrupte Ende dieser Institution.
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