Am 17. Mai 1821 wurde Sebastian Kneipp in Stefansried im Bayerischen Allgäu geboren. Aus sehr armen Verhältnissen kommend, hatte er dennoch den Wunsch, Priester zu werden. Ein in seiner Lage ziemlich aussichtsloses Ziel. Ungewöhnliche Beharrlichkeit führte ihn schließlich dennoch zum Erfolg. Aber sein durch Entbehrungen geschwächter Körper hielt nicht stand. Eine schwere Lungentuberkulose schien sein Schicksal zu sein.
Da geschah das Unerwartete. Im Sommer 1849 stieß er durch Zufall auf das Büchlein "Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers" von Dr. Johann Siegmund Hahn. Die überzeugende Sprache erfasste ihn, trieb ihn sofort zum Handeln. Anfangs zögernd, wuchs ihm mit erhöhter Kenntnis Mut und Vertrauen. Im Dezember 1849 entschloss er sich zum Äußersten. Zwei bis dreimal wöchentlich nahm er in der dreiviertel Stunde von seinem Wohnort Dillingen entfernten Donau ein Bad im Fluss. Das Handtuch fehlte, also ging er so in die Kleider und in strengem Marsch wieder heimwärts. Zusehends wuchsen die Kräfte, und gesundet konnte er das Studium zu Ende führen.
Im Gregorianum in München ist die Geburtsstätte der Güsse. Der schwerkranke Mitstudent Langenmeyer bittet Kneipp um seine Hilfe. Nachts durchgeführte Gießungen mit der Gartenkanne ersetzten das fehlende Bad und brachten die fast nicht mehr zu erwartende Gesundheit.
Am 24. August 1852 war in Ottobeuren die Primiz von Kneipp. 1881 wurde er Pfarrer in Wörishofen.
Sein auf praktisches Wirken eingestelltes Wesen ließ ihn eingreifen, wo er Krankheit und Not sah. So wuchs gegen seinen Willen die Zahl der Patienten, so dass er sich schließlich zur Abhaltung öffentlicher Sprechstunden gezwungen sah.
Sein unmittelbares Anschauungsvermögen und die geniale Kraft seines naturverbundenen Denkens ließen in ihm immer fester jene großen Gedanken von der Entstehung, vom Wesen und von der Heilung der Krankheit Gestalt gewinnen. Erkenntnisse, die Kneipp jederzeit gerne mitteilte, wie er auch seine Tätigkeit bereitwilligst unter die Aufsicht der Ärzte stellte.
Ende der achtziger Jahre sah Kneipp sich genötigt, durch öffentliche Vorträge das mitzuteilen, was ihm notwendig erschien und wozu die Zeit der Sprechstunden nicht mehr ausreichte. Seine anschauliche und unmittelbare Art muss ungewöhnlich begeistert haben. 1892 wurde er zu Vorträgen nach auswärts gerufen - Reisen, die einem Siegeszug gleichkamen.
Nur schwer entschloss sich Kneipp, seine Erfahrungen schriftlich niederzulegen. Er meinte, das sei Aufgabe der Ärzteschaft. Schließlich entschloss er sich doch zum Schreiben eines Buches. Die große Nachfrage nach demselben spornte ihn an, weitere Erkenntnisse schriftlich darzulegen. Heute sind seine Schriften der Grundpfeiler seiner Lehre und in Millionen von Exemplaren auch in fremden Sprachen verbreitet.
Am 17. Juni 1897 starb Kneipp nach kurzer Krankheit. Er ist der Begründer eines Heilverfahrens geworden, das heute Weltgeltung besitzt. Die Persönlichkeit seines Schöpfers, die Bedingungen seiner zeit und der Wunsch des Volkes nach natürlichen Heilmitteln von sicherer Wirksamkeit haben ihm diese Stellung verschafft.
Sebastian Kneipp und die Barmherzigen Brüder
Als Pfarrer Sebastian Kneipp 1886 sein Buch "Meine Wasserkur" in Wörishofen in Bayerisch-Schwaben herausgab, brachte es genau das Gegenteil mit sich, das Kneipp damit erreichen wollte. – Da er schon vor Erscheinen des Buches einen großen Patientenkreis aus Schwaben und Württemberg hatte, wollte er sich damit eigentlich etwas entlasten.
Anfangs wurde das Buch mit Skepsis aufgenommen, nur 500 Exemplare wurden gedruckt, aber bald fand es reißenden Absatz. Die zweite Auflage erschien mit 10.000 Exemplaren, und dies ging weiter bis zur 75. Auflage. Daraus folgte, dass immer mehr Menschen Kneipp aufsuchten, um Erklärungen und Anleitungen zum Buch von ihm zu erhalten.
1891 hatte er schon 14.000 Patienten, darunter auch Österreicher, Ungarn und viele aus dem Kaiserhause, z.B. Erzherzogin Valerie, Erzherzog Leopold Salvator, Großherzogin Alice von Toskana und viele andere Adelige und prominente Persönlichkeiten. Von diesen Adeligen wurde er angeregt, sich an den Orden der Barmherzigen Brüder in Wien zu wenden und sich um einen Nachfolger für sein Werk zu kümmern, damit die Ärzte des Ordens unter seiner Anleitung die Wasserkur studieren können.
Der damalige Provinzial P. Johannes de Deo Sobel, selbst Arzt, war auch sofort für Gespräche darüber bereit, diese verliefen aber nicht erfolgreich und konnten es auch nicht sein, da die bayerischen Landesgesetze den Zuzug österreichischer Ordensmitglieder untersagt hätte.
Zur selben Zeit erfuhr auch der Beichtvater der bayerischen Barmherzigen Brüder von Straubing von Kneipps Plänen, die österreichischen Brüder nach Wörishofen zu berufen und unterrichtetet sofort den damaligen Provinzial der Barmherzigen Brüder in Neuburg an der Donau, P. Kajetan Pflügl. Dieser reiste nach Wörishofen, um zu erforschen, ob er dort eine Niederlassung gründen könne. Inzwischen ging von P. Provinzial Sobel von Wien bereits eine Absage an Kneipp, da die Schwierigkeiten nicht überwunden werden konnten. Es bestand ja bereits eine Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in Bayern, und eine Neugründung durch österreichische Ordensmitglieder wäre nie genehmigt worden.
Als P. General Cassian Gasser von Rom von den Plänen des Provinzial P. Kajetan Pflügl erfuhr, reiste er selbst nach Wörishofen, um persönlich mit Pfarrer Kneipp über die Pläne zu reden.
Erwähnt sei, dass Pfarrer Kneipp nur eine Übernahme der Praxis durch Ärzte von den österreichischen Barmherzigen Brüdern vorschwebte, nicht eine Ordensniederlassung. Mit Kneipp wurde nun die Abmachung getroffen, dass drei Barmherzige Brüder aus dem bayerischen Orden ihm so lange zur Verfügung stehen sollten, bis sie seine Methoden zu heilen ausüben konnten und in seinen Ideen eingeschult wären.
Da in Bayern Kurfreiheit ist, sodass Laien naturärztliche Praxis ausüben können, kam es dazu, dass anstatt Ärzten aus Österreich, Laien aus Bayern zu Kneipp kamen: Dies waren die Brüder Bonifaz Reile, Fr. Max Schnips und Fr. Benno Perschlmayer. Sie wurden zu Sprechstunden zugezogen, besuchten mit Kneipp Kranke und wurden nebenbei als Bademeister in den Güssen, wie Kneipp sie wollte, ausgebildet.
Pfarrer Kneipp ging aber weiter. Der Einzug der Barmherzigen Brüder erfolgte am 1. Oktober 1892. Am 25. November 1893 übergab er das Kurhaus "Sebastianum" den Barmherzigen Brüdern als Eigentum. Er dachte aber anfangs nie daran, an den Orden einen Antrag wegen Übernahme der ärztlichen Praxis zu stellen. Erst durch österreichische Kurgäste veranlasst, reifte dieser Plan bei Pfarrer Kneipp. Es gab zwar Interessenten, die Einspruch erhoben, aber Kneipps Idee wurde auch mit Freuden begrüßt, als er sie bekannt gab.
Der Gedanke, auch in Österreich eine Kuranstalt bzw. Wasserheilanstalt nach dem System Kneipp zu besitzen, dürfte wohl in einem Mitglied des österreichischen Ordens, Fr. Gebhard Seitz, an Leben gewonnen haben. Er kannte Kneipp persönlich und wohnte in der Nähe von Wörishofen. Hiermit ist eine weitere Bindung mit Kneipp eingegangen worden.
So sind es also gerade die österreichischen Barmherzigen Brüder, durch die eine enge Bindung zwischen Pfarrer Sebastian Kneipp und dem Orden hergestellt wurde.